Auf den Gamsknogel und danach in den Biergarten
Aus dem Biergarten heraus zur Gipfel-überschreitung und wieder zum Biergarten zurück! So lautet das Motto dieser großartigen Bergtour in den Chiemgauer Alpen, auch wenn diese natürlich viel viel mehr zu bieten hat als die wirklich urige Einkehr am Schluss.
Denn dieser Biergarten ist nur einer der vielen Höhepunkte auf dieser Rundtour. Doch nach einer anstrengenden Bergtour im vielleicht schönsten Gastgarten Bayerns einzukehren, das hat schon was! Und wenn man dann dabei auch noch einen derart fantastischen Blick auf den gerade eben bestiegenen Gipfel hat, dann ist das schon ein echtes Highlight.
Doch der Reihe nach: Man startet am idyllisch gelegenen Forsthaus Adlgass am besten am frühen Morgen, wenn der Biergarten noch nicht geöffnet ist, denn dann verringert sich die Gefahr, dass man hier am Ausgangspunkt gleich hängen bleibt, weil es einfach so dermaßen schön ist. Zunächst geht es durch dichten, später auch durch lichten Bergwald hinauf. Das ist im Hochsommer ideal, denn die Bäume sind nicht nur wunderschön, sondern spenden auch Schatten, damit man nicht gleich so ins Schwitzen gerät. Dieser Bergwald hat – das wird ein g‘spüriger Mensch feststellen – wirklich ein paar magische Stellen. Passagen, die es lohnen einmal innezuhalten und in aller Ruhe die Umgebung auf sich wirken zu lassen.
Dann betritt man die Latschenzone und erreicht über eine Felsstufe einen Aussichtspunkt vom Allerfeinsten: Die letzten Hügel der Alpennordseite münden hier wellenartig in die Weite des Alpenvorlandes, dazwischen liegt die inselartige Eben von Inzell, dahinter der Chiemsee.

Jetzt kommt der anstrengende Teil der Tour. Über einen schmalen Steig, über Wurzelwerk und einfache Felsstufen geht es über einen Steilhang in Serpentinen hinauf zum Kamm. Es ist der Verbindungsgrat zwischen Zwiesel und Gamsknogel. Weil wir eine Überschreitung machen möchten, wählen wir die Variante nach rechts zum Gamsknogel (ansonsten wäre auch der Zwiesel links ein schönes Ziel). Und jetzt kommt der spannendste und schönste Teil der Tour: Entlang des ungeheuer aussichtsreichen Felsgrates geht es überwiegend auf einem kleinen Steig, teilweise aber auch über ganz leichtes, versichertes Kraxel-Gelände und Felsstufen zum Gipfel. Ein Minimum an Trittsicherheit ist hier also Voraussetzung.
Die Aussicht am Kreuz ist unbeschreiblich schön! Eine bloße Aufzählung, was man hier oben alles vom Kaiser bis zu den Berchtesgadenern entdeckt, würde dieser Gipfel-Komposition einfach nicht gerecht werden.
Es folgt eine weitere durchaus interessante Passage über einen teilweise versicherten, steilen Steig hinunter zur Kohleralm. Mit ihr erreicht man einen weiteren Höhepunkt dieser Tour. Denn diese Alm ist wirklich an Idylle kaum zu übertreffen – einfach richtig schön wie sie daliegt und einfach richtig urig wie sie dasteht! Mit etwas Glück ist sie auch bewirtschaftet. Zumindest an schönen Wochenenden darf man schon darauf spekulieren, dass man hier ein Erfrischungsgetränk und eventuell eine ganz einfach Brotzeit bekommt. Besonders die gute Hollerschorle soll schon so manchen Wanderer vor dem Verdursten gerettet haben.
Versumpfen wird man hier dennoch nicht, denn es steht ja ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm – ein Höhepunkt, der paradoxerweise ganz unten im Tal liegt und so bringt man zielstrebig auch noch den restlichen, nicht mehr ganz so spektakulären Teil des Abstieges hinter sich.

Und am Ende ist er da. Jetzt erscheint er einem gar wie das Paradies! Der Duft von Braten und Knödel lässt den Schritt noch einmal schneller werden, dann riecht es plötzlich nach Kaffee und Kaiserschmarrn. Da ist Leben im Biergarten, da wird gelacht und da sind die bunten fröhlichen Sonnenschirme und hier gibt es endlich – was für eine Wohltat! – einen Stuhl zum Hinsetzen und Rasten. Nach dem Blick in die Speisekarte schaut man dann noch einmal hinauf zum Berg und bewundert den Gipfelkamm, den man gerade überschritten hat. Das Bier steht am Tisch, die ausgezogenen Bergschuhe darunter und die Zehen erquicken sich an dem frischen Gras des herrlich grünen Gastgartens. So könnte es aussehen, das Paradies der Bayern…
Alle Infos
Ausgangspunkt: Forsthaus Adlgass bei Inzell
Route: Man folgt der Beschilderung zum Gamsknogel, wandert hinter dem Biergarten durch ein Drehkreuz und über die Wiese zum Waldrand, wo man auf einen Forstweg stößt (Schild Zwiesel/Gamsknogel). Auf diesem überquert man gleich darauf eine Forststraße. Dann steigt man über einen Karrenweg empor bis man wiederum eine Forststraße traversiert. In der Folge geht es über den schmalen, oft batzigen Pfad in Serpentinen empor. Nach einer Querung Richtung Osten wird der Wald lichter und der Ausblick besser. Vorbei an einem herrlichen Aussichtspunkt, über einfache Felsstufen und eine nach SW ansteigende Querung durch steiles Gelände, erreicht man den Kamm. Rechts Richtung Gamsknogel, dann entlang des Kammes zum Gipfel. Dabei sind einige kurze drahtseilgesicherte Stellen sowie einfache Felsstufen zu überwinden.
Abstieg: Bei der Rundtour überschreitet man den Gipfel und steigt über einige Kehren, teilweise steil hinunter zur Kohleralm. Hier biegt man rechts ab und folgt dem Wegweiser nach Adlgass. Bei einer Gabelung kann man sowohl den gelben wie auch den rot-weißen Markierungen folgen. Beide Routen münden in eine Forststraße. Nun kann man ganz bequem über die Straße gehen oder über eine unmarkierte Abkürzung auf einem kleinen, aber deutlichen Pfad durch den Wald absteigen. Auch die Abkürzung landet schließlich auf der Forststraße nach Adlgass. Hat man das Tal erreicht, zweigt unmittelbar vor einem Parkplatz an der Straße eine relative neue gebaute Forststraße nach rechts ab. Über diese nach Osten. Kurz vor dem Forsthaus kommt man an eine querlaufende Forststraße; über die man nach links zur sichtbaren Landstraße geht und über diese zurück zum Ausgangspunkt.
Tourdaten: Aufstieg: 3 Stunden; Abstieg: gut 2,5 Stunden; 1000 Hm
Einkehrmöglichkeit: 1. Kohleralm – nur sporadisch bewirtschaftet.
2. Forsthaus Adlgass, geöffnet von Mittwoch bis Sonntag