Einfache Ansichten
Baru nimmt in seinen Comics gerne die Rolle des Chronisten der „einfachen Leute“ ein. Seine Figuren sind zwar Karikaturen mit oft hässlichen Gesichtern, die nicht selten von starken Emotionen zu entstellten Fratzen verzerrt werden. Aber die detailgenauen Hintergründe und die elegante Farbgebung verleihen ihrer Welt und damit auch ihnen selbst eine gewisse Bedeutsamkeit, Gewicht und Würde. Dieses Zusammenspiel funktioniert in vielen Werken Barus sehr gut, Elende Helden macht aber die Grenzen deutlich.
Die Geschichte muss man wohl als Anklage sozialer Missstände sehen, sie will etwas bloßstellen, indem sie zeigt, wie es ist. Aber das verträgt sich nicht ohne Weiteres mit den expressiven Tuschestrichen und den wohlkalkulierten Farbeffekten. In Barus sehr schönem Vierteiler Die Sputnik-Jahre ist das kein Problem, da es einen Erzähler gibt, der in einigen Sequenzen sogar vor die Panels tritt, um diese zu kommentieren. Die Stilisierung und Künstlichkeit der Darstellung erinnern daran, dass wir uns in einer Welt befinden, die jemand für uns auferstehen lässt – vielleicht aus der Vergangenheit, sicher aber auf dem Papier. Diese reflexive Distanz zu sich selbst geht Elende Helden völlig ab. Oder anders gesagt: Dieser Comic nimmt sich selbst zu ernst.
