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Donnerstag, 17. Mai 2012 | 07:51

Joann Sfar: Der kleine Prinz

26.08.2010

Mal was Neues?

Saint-Exupérys Der kleine Prinz ist ein Klassiker, der nie aus der Mode kommen wird. Gilt Gleiches auch für die Comic-Adaption von Joann Sfar? Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Über den Inhalt dieses modernen Märchens muss man nicht mehr allzu viele Worte verlieren, zählt die Lektüre des 1943 erschienen Werks doch noch immer zu den prägenden Erlebnissen vieler Leser. Oft genug trägt sie zu deren moralischer Entwicklung und Weltsicht in nicht unerheblichem Maße bei.

 

Auch Joann Sfar, der Zeichner der Comic-Version des Kleinen Prinzen, ist alles andere als ein Unbekannter. Sein umfangreiches Werk - er tritt sowohl als Autor wie auch als Zeichner in Erscheinung - wird in Deutschland gleich bei mehreren Verlagen publiziert. Am bekanntesten ist wohl die ausufernde und skurril-phantastische Fantasy-Parodie Donjon (zusammen mit Lewis Trondheim u.a.) oder die mit Elementen der eigenen Biographie durchsetzte Reihe Die Katze des Rabbiners. Mit Der kleine Prinz legt nun Carlsen, der frühere deutsche Stammverlag des Künstlers, nach Jahren wieder einen Sfar vor.

 

Saint-Exupérys Erbe?

Sfar tritt kein leichtes Erbe an, muss er sich doch an den Zeichnungen aus der Feder Saint-Exupérys,die die Erzählung ilustrieren, messen lassen. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen. Zwar benutzt Sfar immer wieder der Vorlage ähnliche Bilder und Bildelemente, quasi als Motiv, variiert diese jedoch, indem er bisweilen andere Blickwinkel wählt. Manchmal ist eine Verwandtschaft nur noch zu erahnen. Er tut auch ganz gut daran, den Kleinen Prinzen weder neu erfinden zu wollen noch diesen sklavisch zu kopieren.

 

Die selbstständige künstlerische Leistung Sfars liegt im Besonderen darin, die Handlung zwischen den Zeichnungen Saint-Exupérys zu verbildlichen, vielleicht sogar so, wie sich dieser die Geschichte als Comic vorgestellt hätte. Der nervöse, krakelige, bisweilen auch ungelenk erscheinende Zeichenstil Sfars - man meint, er wäre nicht in der Lage, einen sauberen Strich zu führen - ist dafür bestens geeignet. Nur die strikte Panelanordnung von jeweils 3 mal 2 Bildern pro Seite mag so gar nicht zu der episodenhaften, träumerischen Geschichte passen. Vielleicht wäre eine freiere Gestaltung aber auch zu viel des Guten gewesen.

 

Schade ist nur, dass sich Sfar nicht dazu hinreißen lassen wollte, seine eigene Interpretation eines Elefanten in einer Boa zu kreieren. Spannend wäre seine Lösung sicherlich gewesen.

 

Was wird bleiben?

Dass es nicht zu den einfachsten Aufgaben gehört, eine Geschichte adäquat von einem Medium in ein anderes zu übertragen und dieser gleichzeitig auch noch eine eigene Note zu verleihen, ist (leider) schon viele Male bewiesen worden. Sfar hat sich aber gut geschlagen. Selbstbewusst ist er mit der Vorlage umgegangen, ohne sich in seinem Ideenreichtum einschränken zu lassen.

 

Und auch der deutsche Verlag variiert die Vorlage. In Frankreich wurde der Band im klassischen Albenformat veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe ist dem gegenüber doch um einiges kompakter. Geschuldet mag dies dem Trend zum (Taschen-)Buchformat sein, in dem auch die beliebten Mangas erscheinen. Hier passt es. Die Formatveränderung hat der Geschichte gut getan und die Bilder verlieren nichts an ihrer Ausdruckskraft.

 

Sfar hat diesem Klassiker ein neues Gewand verliehen, das ihm sicherlich gut steht. Nur die Antwort auf die eingangs gestellte Frage nach der bleibenden Wirkung seiner Interpretation wird wohl leider negativ beantwortet werden müssen. Dafür ist Der kleine Prinz im Original von Saint-Exupéry zu bedeutend.


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