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Donnerstag, 17. Mai 2012 | 07:21

Digitaler Rückblick: Dezember 2011

10.01.2012

Der Monat in Spiele-Kritik: Dezember

Jeden ersten Dienstag im Monat blickt das Ressort Digitale Spiele zurück auf lesenswerte und wichtige Texte zum Thema Spielekultur. Wir versuchen, einen Überblick zu schaffen und Aufmerksamkeit auf deutsche Texte zu lenken, wollen aber auch den englischsprachigen Raum, der zurzeit synonym mit informierter Spielekritik ist, nicht aus den Augen lassen. Von DENNIS KOGEL und CHRISTOF ZURSCHMITTEN.

 

Der Dezember ist traditionell eine Zeit, in der Seiten, Blogs und Magazine mit Best-Of-Listen befüllt werden, während sich Autoren, die Bäuche vollschlagen, während sie schon unter dem gedeckten Weihnachtstisch neue Ideen fürs neue Jahr notieren. Überraschenderweise findet sich aber trotzdem eine ganze Menge toller Artikel um Adblocker und Wertungen, persönliche Erlebnisse und Meta-Spiele.

 

Polyneux: Adventskalender

Bei Polyneux haben sich im Dezember eine ganze Menge Autoren um eine knisternde Xbox herum versammelt, um die Geister der Weihnacht mit persönlichen Geschichten über das vergangene Spielejahr zu beschwören. Den Anfang macht unser eigener Rudolf Inderst mit einer Geschichte über interpassive Medien und Freundschaft. Sehr sympathisch, sehr lesenswert.

 

ZEITMagazin: Die Monsteridee

Für das ZEITMagazin spricht Heike Faller mit Stephanie Kaiser, der Managerin des Social-Game-Entwicklers Wooga und zeichnet dabei ein Portrait über eine (Vorsicht, Klischee!) Industrie im Umbruch, um die Menschen, die Theorien und das Geld dahinter.

 

Perlentaucher: »Nichts, das ist kein schlechter Slogang«

Christina Striewski will in einem langen Essay ihr Bauchgefühl absichern, dass ihr sagt, dass Terence Malicks Film Tree of Life ein weit problematischerer Film ist als Lars von Triers Melancholia – trotz verblüffender Parallelen. Interessant ist dabei vor allem, dass sie in Melancholia deutliche Anleihen an World of Warcraft erkennt.

 

Weltraumer: Adblocker – ein Kollektivgutdilemma

Daniel Raumer löst eine Debatte aus mit seinem Artikel zum Thema Adblocker: »Werbung im Netz ist ein Teufelskreislauf. Je mehr Leute Adblocker nutzen, desto zahlreicher und aggressiver muss die Werbung werden, und umso mehr Leute werden deswegen wiederum Adblocker installieren. Diesen Kreislauf können wir nur durchbrechen, wenn wir als Surfer auf das Blockieren von Werbung verzichten.«

 

IGN/Negativ: The Cake is A Lie

Filmjournalisten schreiben über Spiele; Spielejournalisten schreiben über Filme. IGN starten zusammen mit NEGATIV eine interessante Artikelreihe. Den Anfang macht Christian Alt mit Betrachtungen zu Woody Allens Purple Rose of Cairo, Portal 2 und The Stanley Parable.

 

Gamestar: Spielspaß erfühlen

Christian Schmidt untersucht für Making Games das Geheimnis des »Spielspaßes« und befindet: Spaß ist das Resultat von anderen Gefühlen – Neugier, Ehrgeiz, Ärger – die Spiele auslösen. Das zu verstehen sei essenziel, um Spiele zu verstehen.

 

NEGATIV: Presseschaut GOTY Edition

Einen Überblick über all die Jahresendlisten und alle wichtigen Blicke zurück ins Jahr 2011 gibt die wie immer tolle NEGATIV Presseschau.

 

Spielkultur: Jahresrückblick

Martin Lorbers Spielkultur-Blog war einer der am öftesten verlinkten Quellen im Monatsrückblick. Hier gibt es einen Rückblick auf die interessantesten Artikel von Lorber.

 

Und auf Englisch?

Slate Jahresrückblick-Rodeo

Natürlich wurde auch im englischsprachigen Raum ordentlich zurückgeblickt. Wie jedes Jahr sticht dabei Slate aus dem Listeneinerlei hervor: Das Jahr wird noch einmal Revue passiert in einem Briefwechsel von vier Leuten, die alle sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Computerspiel haben, aber durchgehend sehr eloquent sind. Das 2011er-Rodeo bestritten Chris Suellentrop (New York Times), Michael Abbott (Brainygamer), Tom Bissell (u.a. Paste) und der Schriftsteller Charlie Yu.

 

Kill Screen: High Scores

Auf einen weiteren Jahresrückblick in Listenform sei dennoch verwiesen: Die Liste von Kill Screen zeichnet sich aus durch einige überraschende Favoriten – und den weniger überraschenden Witz, bei der Würdigung auch ungewöhnliche Umwege wie die über Erläuterungen der englischen Grammatik zu gehen.

 

Gamasutra: The Making of Fez, The Breaking of Phil Fish

Simon Parkins liefert ein schonungsloses Portrait von Phil Fish, der sich über die Entwicklung seines Indie-Spiels Fez an den Rand des nervlichen und sozialen Zusammenbruchs geschuftet hat.

 

Wired: The Curse of Cow Clicker: How A Cheeky Satire Became A Video Game Hit

Jason Tanz porträtiert einmal mehr den prominentesten Vertreter der Game Studies, Ian Bogost. Worin sich sein Artikel von den bisherigen Auseinandersetzungen Cow Clicker, dessen Satire auf ausbeuterische Natur von Facebook-Spielen ist, unterscheidet, ist schiere Breite – und dass der Artikel selbst als Spiel funktioniert.

 

Eurogamer: It Saint where you're from, it's where you're at.

Kieron Gillen, der verlorene große Sohn des Game-Journalismus, lässt das übers Spieleschreiben nicht: Er huldigt nicht nur dem brillantesten Pimmel-Witz des Jahres, Saints Row The Third, sondern gibt (als Ergänzung zum Game-Weihnachtskalender seines Stammsitzes Rockpapershotgun) auch noch einen gewohnt persönlichen und eilgetippten Rückblick über sein Spieljahr. Wir freuen und tanzen im Kreis.

 

PC Gamer: The Elder Strolls

Skyrim bietet schier endlose Abenteuer mit fantastisch doofen Monstern und Helden – Christopher Livingstone entscheidet sich gegen eine Existenz als heldenhafter Drachenjäger und für das langweilige Leben eines Taugenichts, der Abenteuern aus dem Weg geht. Herausgekommen ist eine Reihe sehr unterhaltsamer Artikel darüber was passiert, wenn Spieler gegen Spiele rebellieren.

 

Gameranx: Should We Talk About The Weather?

Noch mehr Skyrim: Rowan Kaiser will mit uns über das Wetter reden – nicht um peinliche Gesprächspausen zu überbrücken, sondern um darüber zu sinnieren, wie Wettereffekte in Skyrim und anderen Spielen das Gefühl für die Spielwelt entscheidend beeinflussen können.

 

Eurogamer: Telling Tales: Skyrim and Dark Souls

… und wo Skyrim ist, kann Dark Souls nicht weit sein: Die beiden grundverschiedenen Rollenspiele haben die Blogosphäre in der zweiten Jahreshälfte dominiert, und auch im Dezember änderte sich daran nichts:

Rich Stanton vergleicht die diametral entgegengesetzten Strategien, mit denen die beiden Spiele ihre (Hintergrund-)Geschichte etablieren: »Both are great games. But where the world of Skyrim feels like a glorious place from an imagined past, Dark Souls plays like the future.« Tom Bissell – der seit seinem Buch Extra Lives auf der Spur nach den narrativen Möglichkeiten des Computerspiels ist, kam bereits Ende November zu einem ähnlichen Fazit: »Tense expositional lore has no place in video-game stories — especially stories that go without highly wrought cinematics — and it seems increasingly clear that video games are neither dramatically effective nor emotionally interesting when the player's role becomes that of a dialogue sponge. More simply put, the stories of Demon's and Dark Souls are told in a way that only video games can tell stories. They don't suffer in comparison because there's no comparison to make.«

 

Rock, Paper, Shotgun: Level With Me

Eine der faszinierendsten und fruchtbarsten Artikelserien der letzten Zeit fand im Dezember ihren Abschluss: Robert Yang, der mit seiner Radiator-Serie zu Ruhm und Ehre in der Mod-Szene gekommen ist, interviewt eine Reihe von Entwicklern und Moddern seiner Wahl. Endziel ist ein kooperativ erstellter (und herunterladbarer) Portal 2-Level – aber die Gespräche holen viel weiter aus und bringen nicht nur erhellende Einsichten zu Leveldesign, sondern zum kreativen Prozess der Game-Erstellung an sich.

 

Radiator Blog: On The First Person Military Manshooter and The Shape of Modern Warfare

Apropos Robert Yang: Bereits ein wenig älter ist ein Blogeintrag, der immer noch lesenswert ist. Darin macht er sich kritische Gedanken zum modernen Militärshooter: »I used to agree with Magnar on the military manshooter's ethical responsibility: that it has none. That everyone knows it's junk food, and so no one expects any nutritional benefit from it. However, that brand of cynicism, of lazy distance, I realized, is its own type of junk food. It's a dead end because it has given up any hope of a different future.«

 

Foto: © Jörg Fuchs

 

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