»Die Frage ist mir zu intim.«
Dies sagt der Dichter und Schriftsteller, der sagt: »Wenn Dichter und Schriftsteller anfangen, ihre Briefe und Tagebücher zu veröffentlichen, ist – um mit Flaubert zu sprechen – die Literatur wirklich am Ende.« und dennoch selbst eine Art filmischer Briefe und visuellen Tagebuchs schafft. Der sagt: »Ich habe nichts anderes als meine Arbeit. Alles andere interessiert mich nicht.« und dennoch Teil nimmt und Teil ist am künstlerischen, politischen und sozialen Diskurs. Der sagt: »Ich bin so arm in meinem Herzen geworden, dass ich nur noch die Bilder machen kann, von dem Leben, das ich nicht habe.« und dennoch von diesem Leben in präzise und einschneidende Worte fasst. Die Worte selbst noch mehr als das, was sie beschreiben, scheinen der Schlüssel zu Thomas Braschs Persönlichkeit für den Betrachter und für den Sprecher der Schlüssel aus ihr hinaus.
Ein Gefühl von Fremdheit umgibt den Protagonisten und unterwandert jede Szene der Reportage. Beeindruckende Dokumentationen über Kinski, Angela Winkler und Heiner Müller bekunden Rüters Expertise in der filmischen Porträtkunst. Mit erratischem Strich fügt er der Galerie von Zeitgeschichte und Zeitgeist eine Menschenskizze hinzu, intim und unmittelbar. Nichteinmal im eigenen Ich scheint er heimisch. Nie scheint der Charakter, der in filmischen Zentrum steht, angekommen. Kein Ort ist ein Heim. Nicht die Altbauwohnung, wo er den Innenhof unter freiem Himmel als »schönsten Raum« bezeichnet. Nicht das Hotelzimmer, das er in der Eröffnungsszene als Fremder durchstreift. Der Fremden schaut in den Spiegel und sein Blick trifft Thomas Brasch: »Der sich da im Spiegel sieht, das bist du gerade.«