Cales Stimme sticht nicht immer zwangsläufig positiv hervor, irgendwann droht das Näseln dann doch etwas zu viel zu werden. Umso besser, dass zur Auflockerung andere Stimmen hinzutreten (ganz grandios: Alfra Martini) oder überhaupt mal Schluss ist mit Gesang. In den leider etwas kurz geratenen Instrumentaltracks bleibt immer noch Raum genug für Cale, um vor allem mit virtuosem Fingerpicking seine Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen, ohne dabei einen Jota an Gelassenheit zu verlieren oder sich allzu anstrengt zu geben. Sein drittes Album erfindet die Unaufdringlichkeit neu und büßt dabei trotzdem nicht an Hitpotenzial ein: Der Track Hello Oblivion (Link zur mp3 auf dem amerikanischen Label) ist genau die Art leicht melancholischer Folk-Pop-Hymne, die sich gleichermaßen im Radio wie auch auf verräucherten Wohnzimmerkonzerten bestens behaupten dürfte – vielleicht ja sogar über ein paar Jahre hinweg.
Das alles gepaart mit den ebenso narrativen wie lyrischen Texten sorgt für ein Album, das das Rad mit Sicherheit nicht neu erfindet oder in dem von Profilneurotikern bevölkerten Genre für wirklich viel Aufmerksamkeit sorgen wird. Stattdessen aber ist Noise Of Welcome ein wunderbares Singer/Songwriter-Album, das sich auf das Wesentliche konzentriert und sich nicht durch ein Übermaß an Exzentrik aufdrängt, weil es das gar nicht nötig hat.
