Das Paradies ist eine Insel
Billigflieger, Google Earth und eine Flut von Reiseliteratur gaukeln uns heutzutage vor, die ganze Welt läge uns erschlossen zu Füßen. Doch mitnichten. Judith Schalansky hat sich aufgemacht, fünfzig gänzlich abgelegene Inseln auf dem Globus aufzuspüren, zu benennen, auszuloten. Das winzige, zu Frankreich gehörende, im Indischen Ozean gelegene Eiland Tromelin gehört ebenso dazu wie das unbewohnte Fangataufa-Atoll oder die lang gezogene Macquarieinsel zwischen Neuseeland und der Antarktis. Jede dieser Inseln wird auf einer Doppelseite vorgestellt: rechts die geografischen Gegebenheiten, stets im akribisch gleichen Maßstab gezeichnet – links eine mal genial recherchierte, mal lustvoll erfundene oder abstrus ausgeheckte, stets jedoch stimmige, inspirierende Prosaminiatur. Von gestrandeten Sklaven und meuternden Matrosen ist da die Rede, von einsamen Wissenschaftlern und mordenden Eingeborenen, von vergessenen Schiffbrüchigen und verbannten Sträflingen.
Spannend ist dieses Arrangement, überaus reizvoll und anregend. Stundenlang, tagelang könnte man sich so auf Gedankenreisen begeben. Und wer die haptischen, visuellen und sinnlichen Qualitäten dieses Buches erfahren hat, wird auf lange Zeit Abstand nehmen von technisch noch so ausgereiften E-Books.