Ist also alles nur eine Frage des Standpunkts? Festhalten kann man, dass die westliche Lebensweise, losgelöst von geografischen Koordinaten, deutlich sichtbar – und damit fotografierbar – an einem Individualismus krankt, der droht, die Freiheit in Beliebigkeit und in ihrem Schlepptau die Kunst in eine pervertierte Postmoderne zu überführen. Wenn man sich nach der Betrachtung des Bildbandes zunächst also über die merkwürdige Zusammenstellung der Fotoserien wundert – wobei jede für sich gesehen funktioniert –, muss man dann doch konstatieren, dass er diese drohende Entwicklung gut widerspiegelt.
Stellenweise ironisch (Ulrich Eigner: „Cowboy und Konsum“, Toni Anzenberger: „Der Hund Pecorino und der Duft Europas“ – ein Hund auf Weltreise), stellenweise Unglaubliches zeigend (Yadid Levy: „Burning Man Festival – Das ewige Brennen“ – was machen die Menschen im Wüstensturm?), stellenweise oberflächlich (Mauro Bottaro: „Zeit ist Geld“, Annet van der Voort: „Metamorphosen“) und des Öfteren die Folgen der Arbeit der Cultural bzw. Economic Hit Man entlarvend (Richard Ross: „Die Architektur der Autorität“, Reiner Riedler: „Künstliche Welten“, Simone Casetta: „Die Lebensmittel-Front“, Paolo Woods: „Die Chinesische Safari“) vereint der ansprechend aufgemachte Band in guter Abbildungsqualität ein vielfältiges Spektrum von Blicken in alle Himmelsrichtungen: Er präsentiert Fotos aus den USA, Kambodscha, Groß Britannien, Österreich, Australien, dem Sudan und umfassender aus „Europa“, „Afrika“ oder gleich ganz „Global“. Wenn der Fotoband manchmal in seiner Auswahl auch nicht schlüssig erscheint, so ist nach den einleitenden Überlegungen aber verständlich, warum das wohl so sein muss.