Schon merkwürdig, aber irgendwie auch wieder konsequent: Der Kunstmarkt hat bisher fast alles aufgesaugt, was sich an seinen Grenzen oder sogar vermeintlich außerhalb derselben bewegt. Und so wandert in diesen Tagen immer mehr Street Art in Galerien und Museen, werden Street-Art-Kunstwerke von Wänden abmontiert und gestohlen oder sogar gefälscht, um sie zu hohen Preisen zu verkaufen.
Das hätten sich Zephyr, Dondi, Daze, Lady Pink & Co, die Graffiti-Künstler, die in den 1970er-Jahren in New York an den Start gegangen sind, wohl nicht träumen lassen. Oder doch? Auch die Vorgänger des heutigen Street-Art-Stilmixes haben durchaus den Weg in die legale, etablierte Kunst, in konventionelle Ausstellungsräume gefunden. Ihr (künstlerischer) Weg dahin wird nun teilweise dokumentiert im „Piecebook – The Secret Drawings of Graffiti Writers“.
Der Prestel-Verlag führt mit dem „Piecebook“ weiter, was in Bänden wie
„The birth of graffiti“ oder
„Berlin Street Art“ begonnen wurde. Das „Piecebook“ gibt sich allerdings etwas sperrig, es erklärt nichts, ordnet nicht zu oder ein, richtet sich eher an Kenner der Szene. Aber ein Hauch von Insidertum soll schließlich auch weiterhin bestehen bleiben: „Don’t fool with the old school”, heißt es irgendwo im Internet.
Der in der „coolen Optik eines Original-Skizzenbuches“ (Verlagswerbung) aufgemachte Band zeigt Graffiti-Entwürfe in den verschiedensten Stadien. Die „Masterpieces“-Vorlagen wechseln zwischen schwarz-weiß und knallbunt, und wenn auch nicht wirklich Entwicklungslinien erkennbar sind, so doch verschiedene Techniken und, mit ihnen einher gehend, mal spartanische und mal opulent gestaltete Zeichnungen – für jedes Verlagsgebäude dürfte also etwas dabei sein.
Von Olaf Selg
Sacha Jenkins, David Villorente: Piecebook. The Secret Drawings of Graffiti Writers. Prestel 2008. engl. 200 farbige Abb. 192 S. 24,95 ¤. ISBN 978-3-7913-3896-5.