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Donnerstag, 02. September 2010 | 20:02

 

B. Mendes Bürgi (Hg.): de Kooning. Paintings 1960-1980.

23.03.2006


Ich habe keine Botschaft“ (W. de Kooning)

Der vorliegende Bildband konzentriert sich auf die Malerei von Willem de Kooning, die von 1960 bis 1980 in der Abgeschiedenheit von Long Island entstanden ist.

 

Zu Beginn dieser Zeitphase tobte insbesondere im amerikanischen Abstrakten Expressionismus der Kampf Abstraktion vs. Figuration. Eigentlich aber war das eher ein Krampf, der aus heutiger Sicht manieriert erscheint: Wer zur Avantgarde gehören wollte, hatte jeden Verdacht einer Figur in seinen Werken zu vermeiden. Tröpfelte doch aus Versehen mal einer, etwa Jackson Pollock, Figuratives zusammen, musste er gleich erneut drübersprenkeln, um ja nicht konventionell zu wirken.

Der in Holland geborenen Willem de Kooning (1904–1997), dem das Lebendig-Gestische in der eigenen Malerei wichtiger war als die vermeintliche Zugehörigkeit zu einer „Avantgarde“, löste sich nie ganz von einem figurativen Anteil. Zum Glück, denn je weniger figurativ, desto weniger nachvollziehbar bzw. unmittelbar eingängig erscheinen seine Bilder. Am besten ist er dann, wenn es den Rest einer menschenähnlichen Figur zu umspielen gibt, eingebettet in eine landschaftsähnliche Struktur – aber die Frage, wo die Landschaft endet und wo die Figur beginnt, muss oftmals offen bleiben.

Das Wichtigste bei der Auseinandersetzung mit de Kooning ist denn auch die Auseinandersetzung mit seiner Malweise, und diese ist im vorliegenden Band allen Autoren sehr gut gelungen. Expressive Pinselstriche, „mal üppig, mal knapp, mal undurchdringlich, mal transparent, mal kleckernd und ausgiebig tropfend, mal scharf vorstoßend, mal sich nach innen krümmend“ (Klaus Kertess) oder „verflochtene, geschichtete und vermischte Pinselzüge, Schlieren und Wischer, Spritzer, Rinnspuren und Verkrustungen, alte und frische, langsam und schnell getrocknete Schichten“ (Ralph Ubl) machen auf den komplexen Schaffensprozess bei de Kooning aufmerksam. So lässt sich die vermeintliche Willkür in den Bildern neu begreifen im Sinne eines malerischen Weges ohne vorher geplantes Ergebnis: „Genau das fasziniert mich – etwas zu machen, von dem ich nie ganz sicher sein kann, und auch sonst niemand. Ich werde es nie wissen, und auch sonst niemand. Das ist das Wesen der Kunst.“ (de Kooning)

Von Olaf Selg



Abb.: Frau Accabonac, 1966


















Bernhard Mendes Bürgi (Hg.): de Kooning. Paintings 1960–1980.
Hatje Cantz 2005.
Geb. Texte von Bernhard Mendes Bürgi, Klaus Kertess, Ralph Ubl und ein Interview mit dem Künstler.
Dt./Engl. 204 S., 65 Abb.,
39,80 ¤.
ISBN 3-7757-1629-7

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