Die Taube auf dem Dach - ab nächster Woche im Kino! Music for Films Bradbury / Hamilton: Fahrenheit 451 Wolf Wagner: Tatort Universität Interview mit Jane Goodall - und Gewinnspiel! Casiokids: Topp stemning på lokal bar
Donnerstag, 02. September 2010 | 20:06

 

Annegret Hoberg, Helmut Friedel (Hg.): Franz Marc.

10.11.2005


Die Kunst der „Weltdurchschauung“

„Ich empfand schon sehr früh den Menschen als 'hässlich', das Tier schien mir schöner, reiner.“ (Franz Marc)

 

Franz Marc (1880–1916) war ein Maler, dessen Werk so eingängig, dessen Selbstzeugnisse scheinbar so schwärmerisch und dessen früher Kriegstod so sinnlos erscheinen, dass angesichts dieser Faktoren in der Auseinandersetzung mit ihm und seiner Kunst seit jeher Verkitschung droht.

Daher sollte zunächst einmal das genaue Hinschauen auf seine Werke und seine Werkentwicklung wieder im Vordergrund stehen. Die derzeitige Ausstellung im Lenbachhaus in München (noch bis zum 08.01.2006), zu der auch der vorliegende Katalog entstanden ist, bietet dafür eine besondere Gelegenheit. Eine ungewöhnlich große Anzahl von Bildern gibt einen bestechenden Überblick über Marcs künstlerische Entwicklung. Wer nicht die Gelegenheit findet, nach München zu kommen, oder wer das dort Gezeigte in aller Ruhe vor- bzw. nachbereiten möchte, dem sei der vorliegende Katalog empfohlen.

Verständliche Texte warnen und bewahren vor einer erneuten, in der Kunstgeschichte althergebrachten, von Traditionen und Vorbildern abgehobenen, schwärmerischen Interpretation von Franz Marcs künstlerischem Weg zu seinem einzigartigen Stil. Erhellend sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen etwa zur japanischen und zur buddhistischen Kunst; der Hang von Marc zum „Exotismus“ (Isabelle Jansen) war ein damals verbreitetes Phänomen. Erläutert wird auch sein Verhältnis zu konkreten Vorbildern wie Ferdinand Hodler und Hans von Mareés ebenso wie zu Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Paul Cézanne. Hinzu kommen zeitgleiche Strömungen wie Kubismus und Futurismus. Intensiv und freundschaftlich waren darüber hinaus die Verbindungen mit Kollegen wie August Macke oder Wassily Kandinsky und die Zusammenarbeit in der 1911 von Marc mit gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, dessen Almanach in vielerlei Hinsicht zum Werkverständnis aller Beteiligten beiträgt.

Sinnvolle Zuordnungen und Vergleiche nehmen dem Werk von Marc also seine weltentrückte, isolierte Einzelstellung und ordnen ihn in malerische Traditionen ein. So entsteht ein lebendiger Eindruck von Franz Marcs aus dem Frühwerk herausreifender, „ausgesprochen geistiger, intellektueller Vorgehensweise“ (Annegret Hoberg), der seinem ab 1911 entstehenden ureigenen mystischen Stil in der Abbildung insbesondere der Tierwelt keineswegs den Zauber, wohl aber das Haltlos-Mystische nehmen.

Von Olaf Selg








Abb.: Der Tiger, 1912.

Annegret Hoberg, Helmut Friedel (Hg.): Franz Marc. Die Retrospektive.
Prestel 2005.
Pappe, 360 farb- u. 28 sw-Abbildungen. 336 S. 29.95 ¤.
ISBN 3-7913-3497-2

Mit der Unbefangenheit eines Kindes

Man hat fast das Gefühl, Umberto Eco schreibt nur noch Vorworte, kürzlich in der SZ endlich die Ankündigung, er würde tatsächlich wieder an einem neuen Roman schreiben. Und ...

"Ich will mich wieder spüren!"

Die Fußball-WM ist vorbei, der Bundespräsident gekrönt, jetzt kommt die Sommerpause - die Zeit der wirklich großen Themen.

 

Eine Kolumne von MATHIAS ...

Wir verblöden weiter

Eine engagierte Analyse des Wissenschaftsbetriebs und zehn "Regeln" für eine kreativere Zukunft an deutschen Hochschulen. Von JOSEF BORDAT

Prädikat ,,Gutmensch"?

Jane Goodalls milde lächelndem Gesicht in diesen Tagen zu entkommen fällt schwer, kaum eine Zeitschrift oder Zeitung lässt den Filmstart von Jane´s Journey ...

Ein literarischer Almadovar

Javier Tomeo hat eine Sex-& Pornosatire geschrieben. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Aus einer anderen Zeit

Reicht ein vor fast 40 Jahren ausgesprochenes Aufführungsverbot, um einen Film im Jahr 2010 in die Kinos zu bringen? Wenn es nach der DEFA-Stiftung geht, ja. Von BASTIAN BUCHTALECK