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Donnerstag, 02. September 2010 | 19:59

 

Kunstmuseum Bonn (Hg.): Die Schenkung Oppenheim.

03.11.2005

Bilder wilder Zeiten

"Individuelle Mythologie" (Harald Szeeman), das ist wohl eine der passendsten Kurzformeln für die bunte Gemengelage an künstlerischen Ausdrucksformen zu Anfang der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Eines der Zentren, in denen diese Vielfalt aufeinander prallte und präsentiert wurde, war die Kölner Galerie Oppenheim.

 

Mal nachgebohrt: Wer war die Galeristin und Sammlerin Ingrid Oppenheim (1924–1986), mit deren Sammlung das Kunstmuseum Bonn so reich beschenkt wurde? Eine "Mutter Courage der Kunstszene" (Museumsdirektor Dieter Ronte)? Folgt man den Schilderungen nicht nur der Katalogtexte, sondern auch den Künstlerstatements, von denen zehn – sehr originelle Ausführung – zwischen die doppelblättrigen Katalogseiten auf Extrablättern eingeschoben sind, so entsteht ein widersprüchliches Bild.

Für die einen war Oppenheim Förderin ihrer künstlerischen Entwicklung, sie verdanken ihr die zunehmende Beachtung auf dem Kunstmarkt. So schreibt etwa Hans Salentin an die Herausgeber des Bestandskatalogs: "Sie war eine großartige Mäzenin, wurde allerdings oft von den Künstlern ausgenutzt. Dies ertrug sie ohne Verbitterung. Sei war sich ihres Wertes als Kunstförderin wohl bewusst."
Dagegen äußert Mike Andrew Hentz: "Sie beschäftigte sich so intensiv mit den Lebensarten und Inhalten des jeweiligen Künstlers, dass sie begann, sich wie der Mensch zu kleiden, die gleiche Musik zu hören und überall präsent zu sein, was nicht allen recht war und zu Streit und zu bösen Zerwürfnissen führte. Auch ich habe Arbeiten, welche sie sich einfach angeeignet hat, und von gewissen Videotapes habe ich nie Kopien bekommen."

Sicher ist: Oppenheim war mit ihrer Kölner Galerie und der Einrichtung eines Videostudios eine Wegbereiterin für die Anerkennung von Videoarbeiten als Kunstform. Der Band versucht nicht nur diese Kunstwerke zu präsentieren, sondern auch etwas von der damaligen Arbeits- und Aufbruchstimmung zu vermitteln, neben den Katalogtexten und Künstlerstatements finden sich z. B. auch einige Besprechungen von Ausstellungen aus der damaligen Tagespresse. Gleichwohl ist es immer schwer, Video- oder Aktionskunst – und dazu noch von weit über 20 Künstler/inne/n wie z. B. Sigmar Polke, Imi Knoebel, Katharina Sieverding und Ulrike Rosenbach – in einem Katalog darzustellen. Natürlich wünscht man sich für einen Bestandskatalog auch ein paar mehr Angaben zu den erfassten Werken (wesentlich wäre beispielsweise die Laufzeit der Videos). Insgesamt wird aber mehr als deutlich, was Julia Galandi-Pascual anhand der Beschäftigung mit der zweiten wesentlichen Kunstform der Sammlung, der Fotografie, für die damalige Entstehungsatmosphäre feststellt: "Die Erforschung der technischen Medien erfolgte vielfach durch Experimentieren, bei dem nicht nur der herkömmliche Bildbegriff, sondern auch die klassische kreative Rolle des Künstlerautors infrage gestellt wurde."

Von Olaf Selg













Abb.: Marcel Odenbach: Sich selbst bei Laune halten, 1977 (Videoarbeit)





Kunstmuseum Bonn (Hg.): Sich selbst bei Laune halten. Kunst der 70er aus der Schenkung Ingrid Oppenheim. Mit Beiträgen von Dieter Ronte, Ruth Diehl, Nadia Ismail, Julia Galandi-Pascual und Ingrid Oppenheim. Wienand 2005. 176 S. mit 66 farb- und 59 s/w-Abb. Klappenbroschur mit 10 lose eingeschobenen Künstlerstatements. 24,00 ¤. ISBN 3-87909-866-2

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