Bradbury / Hamilton: Fahrenheit 451 Wolf Wagner: Tatort Universität Casiokids: Topp stemning på lokal bar Music for Films Interview mit Jane Goodall - und Gewinnspiel! Die Taube auf dem Dach - ab nächster Woche im Kino!
Donnerstag, 02. September 2010 | 19:59

 

Reinhard Schultz (Hg.): Tina Modotti.

05.05.2005

 
Eine Ikone ihrer Zeit

Tina Modotti (1896-1942) führte ein aufregendes Leben als Schauspielerin und Fotografin, wie ein neuer Band bei Zweitausendeins belegt.

 

Mitte bis Ende der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts gab es in der Kunstgeschichte eine Bewegung, die man zwar nicht unbedingt als „feministische Kunstgeschichte“ bezeichnen muss, die aber zur Folge hatte, dass von einer neuen Generation von Kunsthistorikerinnen insbesondere Künstlerinnen aufgespürt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Unter ihnen waren Camille Claudel, der bis dahin nur eine untergeordnete Rolle als Muse von Auguste Rodin zugesprochen worden war, Frida Kahlo, die an der Seite von Diego Rivera ein erklärungsbedürftiges, aber eindringliches Werk schuf, das zunehmend mit einem autobiografischen Bezug entschlüsselt wurde, und unter ihnen war auch Tina Modotti, bis dato bekannt als erotisches Modell des Fotografen Edward Weston und deren Porträt aus dem Jahr 1919 eine Wohngemeinschaftsikone wurde.
Nun liegt über sie ein neuer, umfassender Foto-und Textband vor, der weniger genderspezifisch geprägt sein könnte.

Allerdings ist hier der Zugang zu ihrem Werk zu sehr geprägt von ihrem vermeintlich unruhigen Beziehungsleben. So entsteht der Eindruck, Tina Modotti habe primär ein Leben geführt, das voller filmreifer Liebesszenen war – und wahrscheinlich gab es diese Szenen tatsächlich, so wie sie ja auch selbst als Darstellerin für den Film tätig war (wie die den ersten 3000 Exemplaren des Buches beilegende DVD mit dem Stummfilm "Das Fell des Tigers" von 1920 belegt).
Aber die ausführliche Nacherzählung von ihren Beziehungen droht wiederum ihr künstlerisches Schaffen, ihre schauspielerischen Versuche und ihren Weg zur Fotografie, zur Nebensache werden zu lassen.
Dabei war die 1896 in Udine geborene Italienerin nicht nur eine Kultfigur ihrer Zeit, sondern hat selbst, wie der Band erfreulicherweise ausführlich dokumentiert, einige Ikonen der Fotografiegeschichte geschaffen, deren künstlerische Eigenständigkeit hervorzuheben sind.

Nach dem Tod ihres ersten Mannes, dem Maler und Dichter Roubaix Richey, mit dem sie 1918 nach Los Angeles gezogen war, lernt Modotti den amerikanischen Fotografen Edward Weston kennen und geht mit ihm nach Mexiko. Unter Westons Einfluss erarbeitet sie sich ihre eigene fotografische Ausdrucksweise. Auf Stillleben, Pflanzen und abstrakte Objekte, die sie stilsicher in Szene setzt, folgen im Rahmen ihres wachsenden politischen Engagements Szenen und Porträts der Stadt- und Landbewohner, der Künstler und Revolutionäre.
Nach dem Bruch der Beziehung mit Weston lebt sie noch eine Weile in Mexiko, bevor sie durch die Welt reist. Tina Modottis früher Tod am 5. Januar 1942, nach ihrer Rückkehr nach Mexiko, gab Anlass zur Legendenbildung.

"Ich betrachte mich als Fotografin, mehr nicht. Wenn sich meine Fotografien von dem unterscheiden, was allgemein auf diesem Gebiet gemacht wird, so deshalb, weil ich eben gerade versuche, nicht Kunst zu produzieren, sondern ehrliche Fotografie ohne Tricks oder Manipulationen."

Olaf Selg



Reinhard Schultz (Hg.): Tina Modotti.
Ihr fotografisches Werk. Ihr Leben. Ihr Film.
Foto-/Textband mit DVD.
Zweitausendeins 2005.
240 S. mit ca. 150 Abb. 45,00 ¤.
ISBN 3-861-50631-9

Mit der Unbefangenheit eines Kindes

Man hat fast das Gefühl, Umberto Eco schreibt nur noch Vorworte, kürzlich in der SZ endlich die Ankündigung, er würde tatsächlich wieder an einem neuen Roman schreiben. Und ...

"Ich will mich wieder spüren!"

Die Fußball-WM ist vorbei, der Bundespräsident gekrönt, jetzt kommt die Sommerpause - die Zeit der wirklich großen Themen.

 

Eine Kolumne von MATHIAS ...

Wir verblöden weiter

Eine engagierte Analyse des Wissenschaftsbetriebs und zehn "Regeln" für eine kreativere Zukunft an deutschen Hochschulen. Von JOSEF BORDAT

Prädikat ,,Gutmensch"?

Jane Goodalls milde lächelndem Gesicht in diesen Tagen zu entkommen fällt schwer, kaum eine Zeitschrift oder Zeitung lässt den Filmstart von Jane´s Journey ...

Ein literarischer Almadovar

Javier Tomeo hat eine Sex-& Pornosatire geschrieben. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Aus einer anderen Zeit

Reicht ein vor fast 40 Jahren ausgesprochenes Aufführungsverbot, um einen Film im Jahr 2010 in die Kinos zu bringen? Wenn es nach der DEFA-Stiftung geht, ja. Von BASTIAN BUCHTALECK