Der große Kater - im Kino!
28.10.2010
Zu wenig für das Viel-sein-Wollen
Insgesamt profitiert dieser Film gleichermaßen von der sehr guten literarischen Vorlage, wie er darunter leidet – der Qualitätsunterschied ist stets offenbar. Während das Buch die Tragik des politischen öffentlichen Lebens durch eine spielerisch leichte Erzählweise geschickt kontert, gehen im Film feinere Aspekte unter der didaktisch zu nennenden Dramatisierung verschütt. Von BASTIAN BUCHTALECK
Der schweizer Bundespräsident Kater befindet sich in einer Glaubwürdigkeitskrise, seine Umfragewerte sind im Keller. Da kommt der Staatsbesuch des spanischen Königspaares gerade Recht. Nur „das Maximum an Event, was man aus einem Staatsbesuch herauspressen kann“, meint er, könne ihn noch retten. Doch sein bester Freund und langjähriger Wegbegleiter Pfiff nutzt diesen Besuch, um den Kater unrettbar vom politischen Thron zu stürzen.
Angelegt als Polit-Satire gelingt es dem Film Der große Kater von Regisseur Wolfgang Panzer nicht, der literarischen Vorlage von Thomas Hürlimann gerecht zu werden. Allein die Leistungen der Schauspieler überzeugen durchweg. Dabei leidet die Literaturverfilmung unter dem selben Problem wie jede Literaturverfilmung. Sobald Szenen oder gar einzelne Bilder viele Buchseiten ersetzen müssen, gehen Inhalte verloren. Zwar ist der Film bemüht, Handlungsstränge zu vereinfachen und eigene Schwerpunkte zu setzen. Doch dies führt dazu, dass der Film unzusammenhängend und oberflächlich wirkt. In der Handlung hat man auf Untertöne verzichtet und die Charaktere mit Ausnahme der Hauptfigur des Katers auf eine Haupteingenschaft gestutzt. Viele der Szenen füllen sich erst mit Sinn und Leben, wenn man die literarische Vorlage kennt.
Oberflächliche Polit-Satire, die nicht unter die Haut geht
Der Film handelt von politischen Zwängen. Davon, dass selbst die hohen Politiker, jene, die man als oberste Entscheider wahrnimmt, nicht frei sind in ihren Entscheidungen, sondern politischen Sachzwängen unterliegen. Ganz pragmatisch bringt es der hervorragend von Bruno Ganz gespielte Kater auf den Punkt: „Der Mensch tut, was geschieht“.Der Film versucht die Tücken der Politik und deren Verzahnung mit den Medien darzustellen. Allerdings bleibt die Satire trotz bissiger Kommentare wie, „Was weiß ich, in der Politik ist alles möglich“, zu oberflächlich, um unter die Haut zugehen.
Die Dialoge wirken oft papieren. Konflikte, die in der literarischen Vorlage als Unterton mitschwingen, werden erklärend ausgesprochen. Zum Beispiel wird der zentrale Verrat des besten Freundes am Freunde ganz banal gezeigt und sogar wörtlich bekundet. Das Subtile wird dem Eindeutigen geopfert. Das Eindeutige – im Medium Film die Regel und nicht die Ausnahme – passt jedoch nicht zu diesem Film, der in einem nüchtern-realistischen Stil gedreht wurde. Auch die grundsätzlich gelungene Filmmusik von Patrick Kirst, der seit vielen Jahren in Hollywood arbeitet, ist stellenweise zu pompös für den gewählten Kamera- und Inszenierungsstil.
Hochkarätige Besetzung sorgt für Genuss
Zumindest das Schauspiel der hochkarätigen Besetzung ist purer Genuss. Leider ist die von Bruno Ganz verkörperte Rolle des großen Katers die einzige, deren Anlage tief genug ist, um ergreifend zu sein. Die Verknappung der weiteren Figuren auf jeweils eine zentrale Eigenschaft – bei Pfiff (Ulrich Tukur) die Verschlagenheit; bei Marie (Marie Bäumer) die Trauer; beim Nuntius (Edgar Selge) die Hinterhältigkeit – ist ein enges Korsett für eine gelungene Figurendarstellung. Von daher ist die gute Umsetzung durch das Schauspielensemble in diesem beschränkten Rahmen umso zufriedenstellender.


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