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Donnerstag, 17. Mai 2012 | 06:41

Ein fliehendes Pferd

20.09.2007

…daß man sich drin spiegeln kann

Pro Jahr gibt es eine Handvoll deutscher Produktionen, bei denen ein Blick auf die Stabliste ausreicht, um sicher zu sein, einen handwerklich überdurchschnittlichen, ja meisterlichen Film sehen zu werden.

 

Ein fliehendes Pferd
D 2007.
Regie: Rainer Kaufmann. 
Mit Ulrich Noethen, Ulrich Tukur, Katja Riemann, Petra Schmidt-Schaller u.a.
96 Min. Concorde
ab 20.9.07

Pro Jahr gibt es eine Handvoll deutscher Produktionen, bei denen ein Blick auf die Stabliste ausreicht, um sicher zu sein, einen handwerklich überdurchschnittlichen, ja meisterlichen Film sehen zu werden. Und das ist dem deutschen Film gegenüber keineswegs despektierlich gemeint, denn das heißt nicht, daß mehr gutes Handwerk nicht produziert würde. Gemeint ist nur, daß es ein paar Meister gibt, die (zumindest handwerklich) niemals enttäuschen. Und wenn, wie bei der Martin Walser-Adaption "Ein fliehendes Pferd", gleich mehrere Gewerke von solchen Meistern geführt werden, kann man sich cineastischen Genusses sicher sein. Einen rundum perfekten Film allerdings vermag die Versprechung auf gutes Handwerk allein freilich auch nicht zu garantieren. So ist die Erzählung des Aufeinandertreffens zweier grundsätzlich unterschiedlicher Paare während ihres Urlaubs am Bodensee insgesamt irgendwie eine Spur zu brav geworden.

Das filmische Gesamterlebnis jedoch, das Rainer Kaufmann aus den einzelnen Kabinettstückchen komponiert, ist wirklich ein besonderes: Da ist Klaus Eichhammers Kamera, die jeder der vier Hauptfiguren eine individuelle Anmutung verleiht. Annette Focks' schwül-ironischer Easy Listening-Sound begleitet treffend kommentierend die von gleißender Sonne durchwirkten Bilder, in denen sich die vier Hauptdarsteller gegenseitig zu schönster Spiellaune animieren. Gerade das Miteinander (oder auch Gegeneinander) der beiden Ulrichs, Noethen und Tukur, zwei profilierte Größen, die nun wirklich niemandem mehr etwas zu beweisen haben, ist von wahrhaft uriger Kraft. Pendelnd zwischen Humor und Bedrohlichkeit, zwischen Geborgenheit und Unbehagen knallen die beiden Figuren furios aufeinander und geben so den Ton an in diesem bebilderten Gegenüber von Lebenslust (Tukur/Schmidt-Schaller) und Sicherheitsdenken (Noethen/Riemann). In der Montage schließlich schnürt Editorin Christel Suckow das Ganze souverän zu einem kompakten und geschmeidigen Bündel Filmunterhaltung hochwertigster Art. So besehen wirklich meisterhaft.

Daß "Ein fliehendes Pferd" am Ende ein bißchen zu glänzend, geradezu hochglänzend, daherkommt, ist schade. Es wirkt ein wenig, als hätte man alle Beteiligten an einer zu kurzen Leine gelassen. Eine Terz überdrehter die Dialoge, eine Spur bösartiger die Figuren und ein Stück härter jener Moment, in dem Noethens steife Figur zum Rächer wird – Konturen wie diese hätten auf dem Hochglanz nicht etwa wie Kratzer gewirkt, im Gegenteil: Mehr Profil hat noch nie geschadet.

Oliver Baumgarten

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