Eine Neuerscheinung mit Musik von Thomas Hardin, der sich Moondog nannte und 1999 gestorben ist - das ist ein Grund zum Jubeln für Fans. Moondog ist eine Einzelerscheinung im Niemandsland zwischen U- und E-Musik. Er war ein Eklektiker, ein Postmoderner zu einer Zeit, als dieser Begriff noch nicht erfunden war. Er bediente sich überall, bei der "Klassik", beim Jazz, beim Rock. Er bewunderte die Kontrapunktik der Barockmusik und pflegte das Fugato, er räkelte sich in Synkopen, er liebte die endlose Wiederholung und wurde damit zu einem Vorläufer jener Komponisten, die mit der Kategorie der "Minimal Music" unter einen Hut gebracht werden.
Das eigensinnige Label ROOF Music hat zum 90. Geburtstag von Moondog am 26. Mai dieses Jahres eine Doppel-CD auf den Markt gebracht, die längst vergriffenes und bisher unveröffentlichtes Material enthält. Moondog, das wird deutlich, repräsentiert eine Avantgarde, die nichts weniger ist als hermetisch. Sie erschließt sich dem Hörer unmittelbar, ist vergnüglich und geeignet, süchtig zu machen. Wer Moondog seinerzeit übersehen hat, sollte sich jetzt nicht durch erneute Unaufmerksamkeit um einen ungewöhnlichen Genuss betrügen. Moondog hatte, schon vom Aussehen, das Zeug zu einem Guru. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der blinde Musiker mit einfachsten Mitteln Substantielles mitzuteilen hatte. Andere Musiker haben das erkannt. Moondog war eher ein
musician’s musician als ein Publikumsmagnet. Aber es ist ja bekanntlich nie zu spät für eine richtige Erkenntnis…
Thomas Rothschild
Moondog: Rare Material. ROOF Music, RD 2633272 (Vertrieb: Indigo).
Reinhören in "Rare Material"
Informationen zu Moondog bei Moondogscorner.de